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Wie wird man Schriftstellerin von historischen Romanen ?
Im Grunde ist das ein Handwerk wie jedes andere auch. Es gehört natürlich Begabung dazu und ein großes Interesse an Geschichte, aber die eigentliche "Arbeit" kann man lernen. Als Zeitungsredakteurin bin ich auf Recherche gedrillt worden - das hilft. Dann sollte man etwas vom Schreiben verstehen, vom Aufbau einer Handlung, der Beschreibung von Szenen und Personen. Das kann man sich alles anlesen. Man sollte selbst gerne historische Romane lesen und eine Vorliebe für entsprechende Filme im Kino oder Fernsehen besitzen.
Welchen historischen Roman haben Sie besonders gerne gelesen und welchen Film gesehen ?
Natürlich mußte ich in der Schule die Klassiker lesen, und Literatur, die sonst noch wichtig war, bekam ich irgendwie von zuhause mit. Als junges Mädchen schwärmte ich für "Vom Winde verweht", sowohl für den Roman als auch für den Film. Dann habe ich die historischen Romane von Daphne du Maurier sehr gerne gelesen. Das tue ich übrigens auch heute noch. Überhaupt mag ich britische Schriftsteller sehr, zum Beispiel Jane Austen, obwohl sie natürlich keine historischen Romane geschrieben hat, sondern zeitgenössische, die lediglich aus heutiger Betrachtung historisch sind. Aber es sind ihre großartigen Personen- und Bildbeschreibungen, die ich mag. Daneben lese ich inzwischen sehr gerne Krimis im Stile Agatha Christies. Ansonsten beschäftige ich mich viel mit Hintergrundmaterial, das ich für meine jeweiligen Geschichten brauche. Also Biographien, Reisebeschreibungen, Kunstbücher usw... Und ich liebe Filme wie "Shakespeare in Love".
Wollen Sie damit sagen, daß Sie historische Romane schreiben, weil Sie als junges Mädchen "vom Winde verweht" toll gefunden haben ?
Nicht wirklich. Wer mich kennt, weiß, daß ich gerne und viel rede. Ich erzähle gerne Geschichten. Das Leben ist doch viel erträglicher, wenn man seiner Phantasie freien Lauf läßt und hin und wieder mal in eine andere Welt abtaucht. "Vom Winde verweht" war ja nicht der erste Spielfilm, mit dem ich es zu tun hatte. Als ich acht Jahre alt war, sah ich meine erste Oper: "Carmen" in der Arena di Verona. Auch das prägt.
Das erklärt aber nicht, warum es ausgerechnet historische Romane sein müssen ...
Ich liebe Geschichte und ich bedauere, daß dem Unterrichtsfach Geschichte in der Schule im Vergleich zu den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern so wenig Bedeutung beigemessen wird. Das liegt nicht etwa daran, weil meine Talente in diesen Bereichen völlig unterentwickelt sind. Ich meine vielmehr, daß wir viel aus der Vergangenheit lernen können. Das klingt ziemlich abgedroschen, aber je älter ich werde, desto mehr stimme ich der Meinung zu, daß sich Geschichte auf die eine oder andere Art wiederholt. In vielerlei Hinsicht keine angenehme Erkenntnis ...
Jedenfalls schreibe ich Romane, um die Vergangenheit lebendig werden zu lassen und um die Leserin und den Leser in eine Welt zu entführen, die sich für viele allein durch Sachbücher nicht erschließen läßt. Mein Anspruch dabei ist, gehobene Unterhaltung zu liefern, die nicht platt ist, und Romantik mit Wissen zu verbinden. Dabei lege ich sehr viel Wert aus möglichst große historische Genauigkeit und Authentizität.
Welche Zeit bevorzugen Sie ?
Ganz klar das 18. Jahrhundert. Das war mein Jahrhundert. Die Aufklärung, die damals erstaunlich weit verbreitete Emanzipation der Frau ... ich glaube, im 18. Jahrhundert wäre ich ganz gut aufgehoben gewesen. Wahrscheinlich wäre ich damals die Tochter eines Hof-Komponisten gewesen, hätte einen eigenen Salon unterhalten und Liebesromane geschrieben.
Welche Person aus der Vergangenheit hätten Sie gerne persönlich kennen gelernt ?
August den Starken und John Law, um die beiden Personen zu nennen, die ich bisher zu Romanfiguren verarbeitet habe und deshalb am besten kenne. Die beiden müssen tolle Männer gewesen sein, mit denen ich gerne bei einem Glas Champagner geflirtet hätte.
Wie werden Sie zum Schreiben inspiriert ?
Die Ideen zu den jeweiligen Themen entwickeln sich meistens aus Gesprächen, Erfahrungen oder Erlebnissen. So fuhr ich etwa vor drei Jahren nach Venedig auf der Suche nach dem Stoff für einen historischen Frauenroman. Im Ca' Rezzonico, dem Museum des 18. Jahrhunderts, sah ich ein Bild von Rosalba Carriera und dachte mir, über diese Frau würde ich gerne mehr wissen. Mit der Recherche begann sich ziemlich schnell eine Geschichte zu entwickeln. Daraus entstand dann ein Expose und schließlich der Roman "Die Pastellkönigin". Glücklicherweise sind tatsächliche historische Verwicklungen meistens besser als jede Erfindung sein kann.
Wie und wo arbeiten Sie ?
Als ich noch in Paris lebte, hätte ich wahnsinnig gerne stundenlang im Café "Deux Magots" gesessen und gedichtet - so, wie dies einst Hemingway und viele andere berühmte Autoren getan haben. Aber ich war und bin leider nicht gut im Handschriftlichen und mit Laptops komme ich auch nicht gut aus. Außerdem brauche ich meine gewohnte Arbeitswelt. Deshalb sitze ich ganz pragmatisch an meinem Schreibtisch und an meinem Computer. Ich habe ein schönes Arbeitszimmer mit vielen Buchregalen, wo meine Sekundarliteratur stets griffbereit ist. Wenn ich mal drin bin in einer Szene, tippe ich, bis ich nicht mehr kann, weil meine verspannten Schultern dann zu sehr schmerzen und meine Augen die Form meines Bildschirms angenommen haben. Das ist meistens nach etwa sechs Stunden intensiven Arbeitens der Fall.
Klingt nach Schwerstarbeit ...
Nein, überhaupt nicht. Ich finde es großartig, in einer anderen Welt versinken zu können, mit meinen Figuren zu verschmelzen und Bilder zu beschreiben, die sich vor meinem geistigen Auge geformt haben. Häufig lege ich eine CD mit Musik aus der Zeit der Handlung auf. Das stärkt den Eindruck des Versinkens. Genauso wie Portraits der handelnden Personen, die ich in Sichtweite aufstelle, oder - wie im Fall von Rosalba Carriera und Antoine Watteau - Kunstpostkarten mit deren Werken. Schwierig wird meist erst wieder das Auftauchen aus meiner Phantasie. Ich brauche oft etwas Zeit, um in die Gegenwart zurück zu finden. Das ist dann wahrscheinlich die wirkliche Schwerstarbeit.
Wie lange schreiben Sie an einem Roman ?
Das ist unterschiedlich. Für "Die Pastellkönigin" habe ich relativ lange gebraucht - drei Jahre. Das lag an dem manchmal etwas schwierigen Thema, meinem mir selbst auferlegten Zwang, die ausschließlich realen Personen der Romanhandlung so authentisch wie möglich wiederzugeben und schließlich an persönlichen Umständen. Normalerweise würde ich zwei Jahre für die Realisierung eines Projekts ansetzen.
Gab und gibt es einen Traumberuf in Ihrem Leben ?
Ja, Autorin. Ich wollte nie etwas anderes werden. Vielleicht noch Historikerin oder Archäologin, aber das zielt ja auch irgendwie in die Richtung historischer Roman.
Ich habe allerdings durchaus auch andere Begabungen: Ich koche sehr gerne und wohl auch ganz gut, aber ich möchte keine professionelle Köchin sein. Und ich richte gerne Wohnungen ein. Wahrscheinlich ziehe ich deshalb relativ oft um.
Doch: Innenarchitektin wäre die Alternative, aber mein Mangel an mathematischem Verständnis würde diese Berufswahl von vorneherein unmöglich machen.
Sie nennen sich Autorin, warum nicht Schriftstellerin ?
Nach meinen Erfahrungen wird ein "Schriftsteller" meistens milde belächelt und selten ernst genommen wird. Beim Einwohnermeldeamt fällt man mit dieser Berufsbezeichnung irgendwie unangenehm auf. In anderen Ländern ist das allerdings anders. Als ich vor zehn Jahren nach Paris zog, brauchte ich für meine Aufenthaltsgenehmigung - auch als EU-Bürger - einen Berufsnachweis, der in meinem Fall von einer Kommission erteilt wurde. Ich mußte Fragebögen ausfüllen und Buchverträge vorlegen, dann dauerte es mehrere Monate und schließlich erhielt ich ein offizielles Dokument, auf dem steht, daß ich nach französischem Recht und Gesetz "ecrivain" (Schriftsteller) sei. Das war ganz toll, denn wenn ich anschließend bei einer Behörde oder sonstwo meinen Beruf angab, leuchteten die Augen meines Gegenübers und ich wurde extrem freundlich behandelt, oft sogar richtig hochachtungsvoll. In Frankreich ist ein Schriftsteller ein sehr angesehener Mensch, etwas Besonderes, selbst wenn man dort gänzlich unbekannt ist. Vielleicht liegt die Nichtachtung in Deutschland an der Tatsache, daß "Schriftsteller" hierzulande keine geschützte Berufsbezeichnung ist. "Autor" auch nicht, aber für die Ohren von Laien klingt das wohl irgendwie seriöser.
Ist Anerkennung wichtig für Sie ?
Für wen denn nicht ? Ich bin glücklich, wenn mein Mann und meine Tochter stolz auf mich sind, wenn meine Geschichten meinen Leserinnen und Lesern gefallen. Nie wollte ich nur die Tochter eines berühmten Vaters sein - ich wollte immer etwas Eigenes schaffen. Ich wünsche mir, sehr alt zu werden, und ich hoffe, daß ich dann auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken kann.
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